Gedichte

Mein Herz fließt über mit einem lieblichen Lied. Ich sage: Meine Gedichte sind für den König bestimmt, meine Zunge ist der Griffel eines gewandten Schreibers.

(Von den Söhnen Korahs, Psalm 45,2 – SLT)

Oktoberfest

Oktober hat ein großes Fest gegeben.
Die Sonne für ’nen Monat engagiert,
die Bäume als Statisten dekoriert.
Am Himmel ließ er weiße Fahnen schweben.

Auch hat er gerne einen ausgegeben.
Vom besten Wein, an Hängen kultiviert,
die Trauben unvergoren uns serviert.
Der Herbst ist da und möchte mit uns leben.

So lasst ihn nur, er fängt schon an zu weben,
legt uns ’nen gold’nen Teppich untern Schuh.
Der Wind tut seinen Anteil noch dazu.
Wir sind von Blattgold allesamt umgeben.

Bald sagen wir: „Oktober, Lebewohl!“,
und dass er gerne wieder kommen soll.

Mirko Swatoch

Natur steht auf

Natur steht auf und lässt die Erde beben.
Durch feine Poren schiebt die kleine Saat
den jungen Halm, der tief geschlummert hat,
ins Licht der Sonne und hinein ins Leben.

Ihn treibt die Kraft im Innern, hoch zu streben.
Der Halm schießt auf, zeigt bald sein erstes Blatt,
wächst höher noch, bis auch die Blüten satt,
voll Farben sind und reichlich Pollen schweben.

Wir werden von dem Wunder stark berührt,
das unsre Erde wie die Sinne flutet
mit wilder Schönheit, die uns zugemutet,
und unser volles Herz zum Dank verführt.

Mirko Swatoch

Junge Träume

Im Schatten alter Bäume
erwachen junge Träume,
wenn sie die Sonne sehn.
Die starken Stämme geben
den jungen Halt im Leben,
dass auch sie aufrecht stehn.

Wenn sie zum Himmel reichen,
die Alten langsam weichen,
zur Erde neigen sich.
Die Jungen fröhlich spenden
selbst Schatten nun und wenden
den Blick bald königlich.

Text: Mirko Swatoch
Foto: Berthold Jochheim